Wer im Backcountry fährt muss sich der Risiken bewusst sein

Wer im Backcountry fährt muss sich der Risiken bewusst sein

Kaminfeuer in der Skischule SkiLL. Schön anzusehen, aber komplett harmlos.

Seit Jahren wünsche ich mir ja vor jedem Winterurlaub, dass es ordentlich Neuschnee gibt und ich abseits der Pisten im Backcountry durch den Tiefschnee pflügen kann.

Ich manchen Urlauben ist dieser Wunsch ja dann auch in Erfüllung gegangen und man hat sich ohne große Gedanken in den Tiefschnee begeben. Über die Gefahren, welche man im Backcountry erleben kann, habe ich mir anfangs eigentlich überhaupt keine Gedanken gemacht.
Das Bewusstsein mich für die Materie Lawinen zu interessieren kam erst viel später. Zum Glück sind meine damaligen Ausflüge ins freie Gelände ohne Folgen für mich und Unbeteiligte geblieben.

Damit das auch weiterhin so bleibt, habe ich mich in den letzten Jahren immer mehr mit der Sicherheit beim fahren im Backcountry auseinander gesetzt. Einen ersten theoretischen Überblick habe mir mit Hilfe der Mountain Academy Kurse verschafft. Diese Kurs kosten in meinen Augen nicht viel Geld und liefern einen sehr guten theoretischen Überblick über das ganze Thema.

Doch leider hilft einem das ganze theoretische Wissen wenig, wenn man keine Ahnung von der praktischen Nutzung der Lawinenausrüstung hat. Mir war also absolut klar, dass es auf keinen Fall ausreicht sich das Wissen mit Hilfe von Onlineressourcen anzueignen. Damit man in einer Notsituation wirklich helfen kann, muss man die Ausrüstung auch man praktisch genutzt haben. Und dies am besten immer wieder aufs neue.

Da ich aber im nördlichen Teil von Deutschland wohne und normalerweise auf maximal 20 Skitage komme, war es mir bisher nicht wirklich möglich einen praktischen Lawinenkurs zu machen.
Um so erfreuter war ich natürlich, als ich gelesen habe, dass die Skischule SkiLL in Saalbach-Hinterglemm während meines Skiurlaubs im Januar einen solchen Kurs anbietet. Wie der Urlaub allgemein so war, erfahrt ihr hier.
Natürlich habe ich diese Chance sofort ergriffen und den Kurs Online Ende Oktober gebucht. Der damalige Preis von 39€ war jeden Cent wert. Aber alles der Reihe nach.

Mögen die Übungen beginnen

Am Montag den 13.01.2020 sollte es also soweit sein. Mein erster praktischer Lawinenkurs. Treffpunkt war in der Skischule. Dort lernte ich auch gleich meine Mitstreiter kennen. Zwei Engländer und ein Ire, die alle den Winter in der Nähe von Saalbach verbringen. Unser Kursleiter war der Jimmy, ein ganz lieber Typ, der uns sein Wissen sehr gut sowohl in deutsch als auch in englisch vermitteln konnte. Da die anderen Teilnehmer nicht so gut deutsch sprechen konnten, haben wir uns darauf verständigt den Kurs auf englisch zu machen.

Kursleiter Jimmy
Kursleiter Jimmy

Los ging es mit einen kleinen Lehrvideo zum Thema Sicherheit im Gelände und anschließender Begutachtung des LVS-Equipments. Wer kein eigenes Equipment hat, der bekommt von der Skischule einen Airback-Rucksack mit Schaufel, Sonde und Pieps für die Dauer des Kurses gestellt. Nach der Einführung und dem Materialcheck ging es dann mit dem Auto zum Lift und ab ins Backcountry von Saalbach.

Jimmy hatte für uns ein Schneefeld ausgesucht, an dem so gut wie keine Leute fahren und wo wir die Übungen ungestört durchführen konnten. Die erste Übung bestand darin einen verbuddelten Sender ohne großen Druck zu finden. So konnten wir alle in Ruhe eine Suche mit dem Pieps durchführen. Nachdem alle Teilnehmer den Pieps gefunden und ausgegraben hatten, wurden die Bedingungen etwas verschärft.

Bei der zweiten Suche wurden die Bedingungen dann schon etwas mehr den realen Bedingungen angepasst. Die Teilnehmergruppe durfte sich ans Ende des Suchfeldes begeben und dort in Stellung gehen.
Jetzt sollte eine reale Suchsituation durchgeführt werden, bei der es darum ging, das verschüttete Opfer so schnell wie möglich zu finden. Ich kann euch sagen, einen Berg durch tiefen Schnee hoch zu laufen ist ganz schön anstrengend. Dementsprechend waren alle Teilnehmer nach der erfolgreichen Rettung bereit für ein Sauerstoffzelt.

Verschüttetensuche unter Zeitdruck
Verschütteten Rettung unter möglichst realen Bedingungen

Um anschließend wieder etwas zu Atem zu kommen, hat Jimmy noch ein Schneeprofil mit uns gegraben. Hierbei konnten wir uns verschiedene Schneekristallformen unter der Lupe ansehen.

Zum Abschluss ging es dann noch durchs Backcountry zurück ins Tal und mit dem Auto zurück ins Skischulbüro, wo es noch Zeit für einen kurzen Gedankenaustausch und eine Runde Getränke aufs Haus gab.

Jeder sollte einen solchen Kurs mal gemacht haben

Mein Fazit zu diesem Kurs ist absolut positiv. Ich hätte vor der Veranstaltung niemals gedacht, dass jemand soviel Wissen in einen 3-Stunden Kurs packen kann. Es hat super viel Spaß gemacht in der Gruppe und die praktischen Übungen waren klasse. Ich bin froh mein Equipment nun auch mal praktisch genutzt zu haben.
Natürlich hoffe ich es nie im Leben gebrauchen zu müssen. Sollte aber der Ernstfall mal eintreten, möchte ich gerüstet sein. Ich werde auf jeden Fall auch in Zukunft versuchen an solchen Kursen teilzunehmen, denn bekanntlich macht Übung ja den Meister.

Der Preis von 39€ für diesen hervorragenden Kurs sind ein absolutes Schnäppchen. Wer die Möglichkeit hat, dem kann ich den Lawinenkurs der Skischule SkiLL nur empfehlen. Der Kurs empfiehlt sich auch nicht nur für Geländefahrer. Er ist sicher auch hilfreich, wenn man nur auf der Piste fährt.

Habt ihr auch schon mal einen Lawinenkurs besucht oder plant ihr dies zu tun? Falls ja lasst mir doch mal einen Kommentar da, wo ihr wart oder wo ihr ihn ggf. machen wollt. Ich wünsche euch allen weiterhin schöne Winter und kommt am besten in keine Lawine.

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